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Sein, oder nicht sein … Wie Open Source auf Geschäftsmodelle wirkt

Es sind interessante Neuigkeiten, die uns von unserem Wettbewerb erreichen: Die neue Version 9 der Groupware Zimbra wird nicht mehr Open Source verfügbar sein. Aus der Diskussion in der Zimbra Community ist zu vernehmen, dass die Code-Beiträge schlicht zu gering waren und der aktuelle Eigentümer Synacor deswegen kein sinnvolles Geschäftsmodell hinter dem offenen Quellcode sieht.

Ob die Entscheidung Synacors nun ein Vor- oder Nachteil ist, möchte ich gar nicht erörtern. Aber ich möchte dies zum Anlass nehmen, über Open Source im Allgemeinen zu schreiben.

Auch wir haben nur einen marginalen Anteil an Quellcode, der aus der Community beigesteuert wird. Klar, auch wir würden uns eine aktivere Community wünschen. Aber wir sehen Contributions als ein Chance für andere und nicht als eine Grundlage unserer Entscheidungen. Open Source ist für uns ein Modell der Transparenz und ein wichtiger Differentiator zu den Marktführern in unserer Branche. Mit unserem offenen Quellcode geben wir Vertrauen und garantieren Qualität.

Open Source als Differentiator

Unser Wettbewerb, allen voran Microsoft und Google, drängt Kunden in die Cloud. Das gibt natürlich auf der einen Seite Freiheit, weil die Ressourcen schlicht endlos zu skalieren scheinen und keiner eigenen Wartungsarbeit bedürfen. Eine Cloud an sich kann man mit Open Source, als auch mit Closed Source Software betreiben. Hier ergibt sich der erste große Unterschied für die Betreiber einer Cloud: Ist die Software nicht quelloffen, so begibt sich der Betreiber komplett in die Abhängigkeit des Softwareanbieters. Und wenn dieser dann noch seine eigene Cloud betreibt, so liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit immer Wettbewerbsvorteile (schnellere Patches, idealere Integrationen, günstigerer Betrieb, …) bei ihm.

Weitere Abhängigkeiten entstehen in den Schnittstellen, hier jedoch für die Cloudbetreiber und deren Ecosystem. APIs sind zwar dokumentiert, aber deren Nutzung in Applikationen ist nicht transparent. So wird es zwingend immer so sein, dass vom Softwareanbieter bereitgestellte Applikationen zwangsweise besser integriert sind als die dritter Anbieter.

Open Source ist die Basis für Innovation

Cloud heißt Kundenbindung, das Geschäftsmodell ist Wachstum und somit geht es nicht nur darum, neue Kunden zu gewinnen, sondern diese auch tiefer im eigenen Ecosystem zu verwurzeln. Warum sollte ein Kunde Google Docs und Office365 Mail nutzen, wo doch Google ein besser integriertes Mailtool und Microsoft ein besser integriertes Office-Tool bietet? Die Wahlmöglichkeiten für das jeweils beste Werkzeug ist für Kunden der großen Clouds sehr eingeschränkt. Ist die Software jedoch Open Source, so hat jeder Anbieter eines Tools die gleichen Chancen, sich zu integrieren. Es entsteht ein diversifizierter Markt. Kunden haben die Möglichkeit, die besten Lösungen in den besten Clouds zu wählen.

Bei den Softwareanbietern steigen die Chancen auf Innovation. Diese müssen nicht großen Plattformen vertrauen und entscheiden, ob Sie sich vielleicht selbst kannibalisieren. Sie sehen die Schnittstellen, den Quellcode, die Integrationen anderer und die Cloud-Anbieter – auf dieser Basis lassen sich nachhaltige und richtige Entscheidungen treffen.

Open Source schafft Vertrauen

Um beim Beispiel der Schnittstellen zu bleiben: Neben der Frage, wie man eine Schnittstelle ideal bedient, steht noch die danach, was die Schnittstelle denn genau macht. Bei proprietärer Software sind viele Schnittstellen die Datenlieferanten für deren Big Data Pool. Es spielt keine Rolle, ob man das will oder ob man überhaupt selbst eine Chance sieht, von diesem Datenpool zu profitieren: Man weiß im typischen Fall gar nicht, was denn überhaupt an Daten gesammelt und zusammengeführt wird.

Das in Europa wohl greifbarste Vertrauensargument ist der amerikanische Patriot Act. Welche Institution bekommt worauf Zugriff? Wer kann sich wo einklinken – offiziell oder über nur minder gestopfte Sicherheitslücken. Überhaupt: Wie kann jemand kontrollieren, ob ein Sicherheitsproblem wirklich gut gelöst wurde?

Open Source garantiert Qualität

Ich erinnere mich noch, was einer der großen Diskussionspunkte war, als wir 2007 den Quellcode unserer Software offengelegt haben: Unsere Entwickler mussten den kompletten Quellcode durchsehen und viel überarbeiten, weil hier etwas nicht dokumentiert war oder dort etwas uncharmant gelöst war. Das ist eher ein witziger Seiteneffekt, dennoch ist er relevant.

Wichtiger ist, dass man als IT-Betreiber die Verantwortung für seine IT trägt. Das Argument nicht sehen zu können, ob etwas passiert oder nicht, kann kein nachhaltiges sein. Nur Open Source schafft hier die Möglichkeit der Kontrolle. Und das meint mitnichten, dass jeder Administrator die Fähigkeit besitzen muss, komplexen Quellcode zu verstehen. Es meint konkret die Chance, Experten genau damit beauftragen zu können, die unabhängig sind und nicht selbst in Vertragsverhältnissen mit dem Softwareanbieter stehen.

Zusammenfassend …

Open Source ist kein Marketing-Gag, sondern eine wichtige Grundlage für digitale Souveränität. Aus offenem Quellcode entstehen genau dieselben einfach zu installierenden binären Programmpakete wie aus nicht offenem Quellcode. Bei unseren Programmen kann man jedoch reproduzierbar nachweisen, aus welchem Quellcode es entstanden ist und man kann prüfen und sehen, ob alles mit rechten Dingen zugeht und die Sicherheit gewährleistet ist.

Alles in allem ist seine Open Source Vergangenheit ein großer Vorteil für Zimbra, wenn auch ein herausfordernder. Aus dem alten Code kann neues entstehen. Der Support des alten Herstellers kann enden, doch dank des offenen Quellcodes können andere Anbieter einspringen. Die Kunden sind nicht gezwungen, den Weg des derzeitigen Softwareanbieters mitzugehen. Aber das erfordert, so wie es auch im Schichtenmodell der Digitalen Souveränität beschrieben ist, die Kompetenz, den Code auch verwalten zu können. Es ist die Aufgabe der IT-Betreiber abzuwägen, ob diese Kompetenzen vorhanden sind.

Andreas
Andreas

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